Jaroslav Tůma

Organist, Cembalist, Klavichord- und Hammerklavierspieler ist im Jahre 1956 geboren. Er studierte am Prager Konservatorium bei Prof. Jaroslav Vodrážka und an der Musikfakultät der Akademie der musischen Künste in Prag bei Prof. Milan Šlechta (Orgel) und bei Prof. Zuzana Růžičková (Cembalo).

Er ist Träger der Ersten Preise in den Orgelimprovisationswettbewerben in Nürnberg im Jahre1980 und im holländischen Haarlem im Jahre 1986. Weiter wurde er zum Laureaten in einer Reihe der Orgelinterpretationswettbewerbe, wie zum B. im Jahre 1978 in Linz, im Wettbewerb des Prager Frühlings im Jahre 1979, im Bach-Wettbewerb in Leipzig im Jahre 1980 und in vielen anderen. Eine abwechslungsreiche Konzerttätigkeit brachte ihn in die meisten Länder Europas, auch nach Island, mehrmals in die USA, nach Japan, Singapur und in die Mongolei.

In den Jahren 1990-93 führte J. Tůma in 21 Konzertprogrammen in Prag das gesamte Orgelwerk von J. S. Bach auf. Am Klavichord trug er mehrmals Das Wohltemperierte Klavier von Bach in Gesamtheit vor. Zum 250. Todestag von J. S. Bach im Jahre 2000 studierte er auch Goldbergvariationen ein. (vorgetragen u. a. im Rahmen des Festivals Prager Frühling, in Bayreuth, in Stralsund, an Haydn-Feiertagen in Dolní Lukavice) Er beschäftigt sich mit den Konzerten auf historischen Instrumenten und deren Kopien, neben der Orgel auch am Hammerklavier (Paul McNulty), Cembalo (František Vyhnálek) oder am Orgelpositiv (Vladimír Šlajch und Dalibor Michek).

In den vergangenen Jahren trat er bei verschiedenen Anlässen im In- und Ausland mit einer Reihe von außergewöhnlichen Solisten, Sängern oder Instrumentalisten auf, zum B. mit Gabriela Beňačková, Eva Urbanová, Placido Domingo, Joseph Malowany, Roman Janál, Franz Brügen und vielen anderen. Auf den Konzertbühnen hatte er die Ehre unter der Leitung solcher Persönlichkeiten zu arbeiten. wie Miroslav Venhoda, Milan Munclinger, Peter Schreier, Libor Pešek, oder auch japanischen Dirigenten Otaka Tadaaki, mit ihm er das Orgelkonzert von Francis Poulenc in Kyoto und Sapporo durchgeführt hatte. Zu regelmäßigen Kammerpartnern von Jaroslav Tůma gehören die Violinspieler Gabriela Demeterová, Bohuslav Matoušek, japanischer Flötist Yoshimi Oshima und viele andere.

Tůmas Diskographie zählt schon an die fünfzig Titel, vor allem die Solotitel. Bei der Firma Supraphon erscheint seine CD-Reihe "Historische Orgel in Böhmen", die den authentischen Klang der berühmten Orgeln von verschiedenen Zeitperioden von der Renaissance bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts bringt. Sehr gesucht sind seine CDs mit Bachs Musik, zum B. die Orgelmesse, die Kunst der Fuge (in Zusammenarbeit mit Giedré Lukšaité-Mrázková), oder Wohltemperiertes Klavier am Klavichord.

Jaroslav Tůma machte weitere zahlreiche Aufnahmen für den Rundfunk und das Fernsehen. Er war der Autor und Hauptprotagonist der elfteiligen Fernsehfolge zur historischen Orgel, die das Tschechische Fernsehen im Rahmen des Zyklus Das Beste von der Klassik brachte. Für Tschechischen Rundfunk bereitet er regelmäßig Programme über Orgelmusik und andere klassische Musik vor. Er widmet sich ebenfalls der Propagation des Verhältnisses der Öffentlichkeit zu historisch wertvollen Instrumenten und ist bemüht, deren Schutz und gefühlvolle Restaurierung durchzusetzen.

Tůmas Repertoire umfasst alle Stilperioden. Vor allem in der Orgelliteratur meidet er nicht einmal die zeitgenössische Musik, er führt vor allem die Werke der bedeutenden tschechischen Orgelkomponisten des 20. Jahrhunderts durch, wie sind z. B. Petr Eben ( u.a. Zyklen Sonntagsmusik, Laudes, Fenster für Trompete und Orgel), Klement Slavický (Zyklus Fresken) und andere. Großen Wert legt er auf die stilvolle Interpretation und die Ausnutzung spezifischer technischer Möglichkeiten der historischen Instrumente aus der böhmischen und mährischen Orgelbauerregion. Auch deshalb werden von ihm Autoren bevorzugt wie zum B. Josef Seger, Jan Křtitel Kuchař, Josef Klička oder Bedřich Antonín Wiedermann. Außer den Werken der namhaften romantischen Orgelkomponisten (César Franck, Max Reger) widmet er sich auch den nur selten gehörten Autoren. Er studierte ein und führt durch Sankt-Wenzels-Triptych von Vítězslav Novák (Prager Frühling 1995) oder Phantasie und Fuge op. 75b von Alois Hába (Internationale Orgelwoche, Nürnberg 2000) und andere. Tschechische Musik präsentiert er regelmäßig an vielen Festivals. In den letzten Saisons wirkte er u. a. in Berlin, München, Hamburg, Dresden, Brüssel, Amsterdam, Gent, Genf, Zürich, Milano, Florenz, Barcelona, Wien, Stockholm, Göteborg, Budapest, Warschau, St. Petersburg, Moskau, Ljubljana, Tokio, Cleveland, Houston, Boston, Chicago usw. mit.

Ein besonderes Kapitel stellen in Tůmas Programmen seine Improvisationen dar. Zu den vom Publikum unmittelbar vor dem Konzertbeginn bestimmten Themen entsteht eine für die verwendeten Instrumente und die Stimmung des Augenblicks "maßgeschneiderte" Musik. Die Tonaufnahmen einiger dieser Kreationen aus den von den USA bis nach Japan veranstalteten Konzerten wurden auf dem CD "Orgelimprovisationen" bei der Firma Arta records herausgegeben.

Jaroslav Tůma unterrichtet eigene Orgelklasse an der Musikfakultät der Akademie der musischen Künste in Prag und wird oft zu der internationalen Jury für Orgel- oder Cembalowettbewerbe eingeladen, zum B. für den Internationalen Wettbewerb Prager Frühling, für den Internationalen Orgelwettbewerb in Opava, Internationale Orgelwoche in Nürnberg, Internationaal Orgelimprovisatieconcours im holländischen Haarlem oder für den Georg Muffat-Wettbewerb im österreichischen Schlägl. Er gibt seine Erfahrungen auch bei Interpretations- und Improvisationskursen im In- und Ausland weiter.